Westküste oder Ostküste für die erste USA-Reise?

Eine Reise in die USA ist etwas ganz besonders. Da das Land allerdings sehr groß ist, muss man sich entscheiden, welche Region genau man bereisen möchte. Vor allem die Westküste und die Ostküste sind dabei touristisch besonders interessant. Doch wofür sollte ich mich für meine erste USA-Reise entscheiden? In diesem Beitrag berichte ich von meinen vergangenen zwei USA-Rundreisen im Westen und Osten, vergleiche sie und gebe eine Empfehlung ab.

Meine Erfahrung

Ich habe bisher zwei Reisen in die USA unternommen. 2015 war ich für 3 Wochen an der Westküste unterwegs und 2017 an der Ostküste. Basierend auf diesen Erfahrungen möchte ich einen Vergleich ziehen.

Kurz und Knapp meine Empfehlung

Die Westküste

  • Enorme Vielfalt und Abwechslung. Das gilt nicht nur für die Städte, sondern vor allem auch für die Natur.
  • Reiz der Andersartigkeit. Die Naturspektakel, Landschaften und klimatischen Verhältnisse kennt man von Europa oder gar Deutschland nicht. So beeindrucken der Yosemite National Park, die Wüstenregionen wie das Death Valley, die Pazifikküste und der Grand Canyon umso mehr.
  • Touristisch interessante Stationen sind relativ nah beieinander. In drei Wochen kann man mit einem Mietwagen alles Wichtige gut abfahren.
  • Besseres Wetter (wärmer und weniger Regen)

Die Ostküste

  • Stadtlastigkeit. Besonders im Nordosten dominieren die berühmten und beeindruckenden Metropolen.
  • In den geschichtsträchtigen Städten des Nordostens kann man sehr viel über die bewegte Historie der USA lernen. Zahlreiche Denkmäler, Stätten und Museen in Boston, New York, Philadelphia und natürlich Washington berichten von der spannenden Geschichte der USA.
  • Besonders der Nordosten wirkt sehr europäisch oder gar englisch. Das betrifft nicht nur die Architektur, sondern auch die Flora und Fauna.
  • Es müssen größere Distanzen zurückgelegt werden, wenn man wirklich vom Nordosten bis nach Florida fahren möchte. Nicht nur deshalb fallen höhere Kosten für die Mobilität an.

Fazit

Im Westen beeindruckte mich besonders die malerische und aufregende Natur und im Osten die berühmten und geschichtsträchtigen Metropolen. Beide Regionen sind definitiv einen Besuch wert. Ich würde jedoch jeden für die erste USA-Reise den Westen empfehlen, da er so aufregend anders und vielfältig ist. Außerdem muss dort deutlich weniger Strecke zurückgelegt werden.

Der Detaillierte Vergleich

Natur und Klima

Hier punktet der Westen, wo die Natur durch Vielfalt und Andersartigkeit besticht. In nur 3 Wochen fährt man durch heiße Wüsten, macht Extremerfahrungen im lebensfeindlichen Death Valley, bestaunt die roten Gesteinsformationen des Grand Canyons, wandert entlang der malerischen Wasserfälle und Berge im Yosemite, erkundet die verlassene Route 66 und fährt schließlich die steinige und steile Pazifikküste ab. All diese Dinge sieht man als Europareisender kaum - und schon gar nicht so dicht beieinander. Auch ist das Klima hier schön warm und es fällt wenig bis kaum Regen.

Grundsätzlich erinnerte mich die Flora und Fauna im Nordosten stark an Deutschland und war daher weniger aufregend. Je weiter man gen Süden fährt, umso wärmer wird es und die Vegetation ändert sich. Im Florida herrscht schließlich tropisches Klima: Regenschauer bei 30 Grad sind Normalität im Sommer. Das ist natürlich für sich genommen auch eine interessante Erfahrung. Vom Klima einmal abgesehen, lassen sich aber auch im Osten Ausflüge in die Natur machen. Die Niagarafälle im Norden sind zwar unglaublich spektakulär, aber auch extrem überlaufen. Im Shenandoah National Park kommt schon eher Naturgefühl auf. Dort kann man herrlich wandern und tolle Ausblicke genießen. Die Tropfsteinhöhlen der Luray Caverns sind ebenfalls hübsch. Am exotischsten ist allerdings die Sumpflandschaft der Everglades in Florida. Mit Alligatoren, extrem schwüler Luft und Moskitos blieben sie mir definitiv in Erinnerung.

Unterm Strich begeisterte mich mehr die Natur im Westen der USA aufgrund ihrer großen Vielfalt und dem Reiz der Andersartigkeit.

Städte

An der Ostküste sind vor allen die Städte die spannenden und primären Reiseziele. Das Spektrum reicht von der berühmten Riesenmetrople New York bis zu mittelgroßen, aber sehr charmanten Städte wie Boston und Washington. All diese Städte im Nordosten sind sehr geschichtsträchtig: Zahlreiche Denkmäler, teilweise bombastische Monumente und unzählige Museen berichten von der bewegten Geschichte der USA. Besonders Washington und Boston haben mich begeistert und waren meine persönlichen Highlights der gesamten Rundreise im Osten. Im Süden werden vor allem Strandfreunde in Miami Beach auf ihre Kosten kommen, wobei es im Westen genau viele Strände gibt (rund um Los Angeles und San Diego).

Im Westen existieren aber auch viele interessante Städte. Neben der Riesenmetropole Los Angeles, ist natürlich das verrückte und bunte Las Vegas eine einmalige Erfahrung. Abgesehen von San Francisco hat mir besonders das abwechslungsreiche und schöne San Diego gefallen. Von San Diego einmal abgesehen, waren es aber die Ausflüge in die Natur, die mich im Westen wirklich begeistert haben.

Distanzen

Bei den Distanzen punktet ganz klar die Rundreise an der Westküste. Hier muss deutlich weniger Strecke zurückgelegt werden. Alle touristisch interessanten Stationen sind relativ nah beieinander. In der Regel ist man nach 2 - 4 h Fahrt bei dem nächsten sehenswerten Ort. Diese Dichte hat man an der Ostküste nicht. Dort haben wir sogar drei Tage jeweils fast komplett im Auto verbracht. Hier einige konkrete Zahlen:

  • Zurückgelegte Strecke im Westen der USA: 4693 km
  • Zurückgelegte Strecke im Osten der USA: 5844 km
  • Differenz: 1151 km!

Wem die Distanzen im Osten zu weit sind, kann natürlich auch nicht bis ganz runter nach Florida fahren. Dadurch reduziert sich die Gesamtstrecke deutlich und dieser Nachteil fällt nicht mehr ins Gewicht.

Mehr zu unserer Streckenplanung erfahrt ihr in den separaten Beiträgen zu der Route an der Westküste und zur Route an der Ostküste.

Kosten

In separaten Beiträgen habe ich jeweils die Kosten unserer Reise an der Westküste und die Kosten an der Ostküste aufgeschlüsselt. Nicht alle Kostenpunkte können 1 zu 1 verglichen werden. Dennoch können folgende Aussagen getroffen werden:

Auf und Neben der Straße

Die Kosten rund um das Auto sind im Osten deutlich höher.

  • Generell müssen größere Distanzen im Osten zurückgelegt werden. Das erhöht grundsätzlich die Tankkosten. Allerdings ist Benzin in den USA nicht besonders teuer. 50 l kosten dort lediglich 30 €. Weiterhin spielt der Mietwagen eine entscheidende Rolle. So haben wir im Westen 333 € und im Osten nur 193 € fürs Tanken ausgeben, obwohl wir im Osten ~1151 km mehr zurückgelegt haben. Im Osten hatten wir einen neuen VW Jetta SE TSI, der deutlich sparsamer war als der alte Chevrolet Impala LT Limited im Westen. Dafür war der Jetta auch teurer in der Mietung.
  • Der größte Kostentreiber ist allerdings die One-Way-Option. Bedingt durch die langen Distanzen kann man an der Ostküste keinen Kreis schließen. So haben wir den Mietwagen im Osten in Boston abgeholt und in Miami zurückgebracht. Das hat den Mietpreis um ca. 500 € erhöht.
  • In Kalifornien ist der Zweitfahrer immer inklusive. In allen anderen Bundesstaaten (und damit auch im Osten generell) muss für den Zweitfahrer mit einen Kostenaufschlag von ca. 100 € gerechnet werden.
  • Besonders im Nordosten lassen sich Mautstrecken nicht sinnvoll vermeiden. Wir haben insgesamt 62 € Maut bezahlt. Allerdings haben wir zum Ende hin auch versucht, Mautstrecken zu umfahren. Tut man dies nicht, muss man wohl mit ca. 75 € rechnen.
  • Parken in der Stadt kann sehr teuer werden. Schon für einen halben Tag im Parkhaus sind 28 € keine Seltenheit. Da eine Reise an der Ostküste stadtlastiger ist, fallen somit höhere Kosten für das Parken an. Lediglich 70 € haben wir an der Westküste fürs Parken bezahlt; an der Ostküste mit 123 € fast das Doppelte.

Eintrittsgelder

An der Ostküste haben wir mehr Eintrittsgelder für Attraktionen und Sehenswürdigkeiten besonders in den Städten ausgegeben. Insgesamt waren das 172 €; im Westen lediglich 84 €. Vor allen das Kennedy Space Center im Osten empfand ich mit 48 € (exkl. 8€ Parkgebühren) als unverschämt teuer.

Im Westen waren wir mehr in der Natur und in den National Parks. Da man National Parks pro Auto und nicht pro Person bezahlt und die Kosten generell geringer sind, sind die Kosten hierfür unterm Strich überschaubar: 49 € im Osten und 89 € im Westen.

Allerdings ist dieser Punkt stark individuell, da jeder sicherlich andere Attraktionen ansteuert und manch einer kaum Geld für Attraktionen ausgibt.